Einblicke in verantwortungsvolle Pflegeanwerbung
Im vergangenen Dezember hatten wir die Gelegenheit, das Fachteam der Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) für eine länderübergreifende Reise nach Indien und Indonesien zu begrüßen. Gemeinsam mit Frau K. Pischon und Frau J. Bayer aus dem Bildungs- und Integrationsteam der MUL-CT führten wir Gespräche mit Pflegefachkräften, besuchten Partnerinstitutionen in den jeweiligen Ländern und sprachen darüber, was eine erfolgreiche Vorbereitung auf eine berufliche Zukunft in Deutschland bedeutet.
Bei Hanseatic Connect begleiten wir die Pflegefachkräfte ganzheitlich: von der Anwerbung über Sprach- und Integratonskurse bis hin zur langfristigen beruflichen Entwicklung in Deutschland. Die Reise zeigte die wesentlichen Aspekte des Prozesses auf. Klarheit, realistische Erwartungen und insbesondere die Menschen hinter den Bewerbungen.
Mumbai: Kompetenzen, Erwartungen und Alltagsrealitäten
Unsere Reise begann in Mumbai, wo unsere lokalen Teams von Hanseatic Connect (HC) und der Hanseatic Connect Academy (HCA) die Delegation begrüßten.
Die persönlichen Interviews sorgten für eine offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre und gaben den Kandidat*innen die Möglichkeit frei über ihre
- Erfahrungen in klinischen Bereichen
- Erwartungen an die Arbeit und das Leben in Deutschland
- Sorgen hinsichtlich Sprache, Anpassung und beruflicher Entwicklung
sowie über andere individuelle Themen zu sprechen.
Außerdem organisierten wir Gespräche mit Pflegefachkräften, die bereits an den Deutschkursen teilnehmen. Der Austausch zeigte, welche Herausforderungen bestehen und inwieweit sich die theoretischen Anforderungen der Lernenden mit diesen decken und unterscheiden.
Ein geführter Rundgang durch das Gleneagles Hospital lieferte weitere Einblicke. Auf den Patientenstationen und in den hochmodernen Einrichtungen, wie zum Beispiel dem Zentrum Organtransplantation und dem Katheterlabor, konnte das Team der MUL-CT die vielfältigen Kompetenzen indischer Pflegefachkräfte aus erster Hand erleben und sehen, dass sich die Arbeitsabläufe und Verantwortlichkeiten im Vergleich zu jenen in deutschen Krankenhäusern in vielen Aspekten ähneln. Aufgrunddessen ist es besonders wichtig, übertragbare Kompetenzen frühzeitig im Anwerbeprozess zu erkennen und zu fördern.
Kochi: Lokale Expertise und ein Einblick in die Welt der Schulte Group
Unser nächster Halt war Kochi, unser zweiter indischer Standort. Dort führten wir weitere Gespräche mit Pflegefachkräften, unterstützt von unserem lokalen Team, das die Kandidatinnen während des gesamten Anwerbe- und Vorbereitungsprozesses begleitet.
Der Besuch gab den Gästen zudem die Möglichkeit, das lokale Netzwerk der Schulte Group zu erleben. Bei MariApps, der Softwareentwicklungszweig der Gruppe, erhielt die Delegation Einblicke in die Entwicklung und Skalierung digitaler Lösungen. Diese reichten von Plattformen für maritime Betriebsabläufe bis hin zu datenbasierten Tools für das globale Netzwerk. Dies war eine eindrucksvolle Darstellung der starken technologische Expertise in Kochi und machte deutlich, wie tief Innovation in der Schulte Group verankert ist.
Ein weiterer besonderer Programmpunkt war der Besuch in einem der Trainingszentren der Schulte Group (MTC), in dem die Vertreterinnen der MUL-CT die Möglichkeit hatten, den Schiffsführungssimulator auszuprobieren. Die Ansteuerung des Hamburger Hafens begann zunächst als spielerische Übung, entwickelte sich jedoch schnell zu einer komplexen Simulation, die deutlich machte, wie Immersion Orientierung, Situationsbewusstsein und Entscheidungsfindung unterstützen kann.
Und obwohl diese Trainings für maritime Fachkräfte entwickelt wurden, stellen sie eine interessante Zukunftsperspektive dar: Mit der richtigen Anpassung können ähnliche Simulationskonzepte auch die Ausbildung im Gesundheitswesen bereichern.
Unsere Stationen in Mumbai und Kochi machten deutlich: Erfolgreiche Anwerbung basiert auf klarer Kommunikation, realistischen Erwartungen und einem echten Verständnis für die persönliche Situation der jeweiligen Kandidat*innen. Berufserfahrung ist entscheidend, aber ebenso wichtig sind Motivation, Anpassungsfähigkeit, Erwartungsmanagement und langfristige berufliche sowie private Ziele.
Von Indien nach Indonesien: Bildung, Praxis und kulturelle Einblicke
Der zweite Teil der Reise führte uns nach Bali, Indonesien, wo wir unsere lokalen Teams trafen und ebenfals Gespräche führten sowie Partnerinstitutionen besuchten. Anlässlich des Besuchs bereitete das lokale Team der Gruppe einen besonders herzlichen Empfang. Traditionelle indonesische Gerichte, eigens für die Delegation zubereitet, spiegelten die Gastfreundschaft und Offenheit wider, die uns während der gesamten Reise begegneten und Indonesien auszeichnen.
Am Poltekkes Kemenkes Denpasar Nursing College, einem unserer offiziellen Kooperationspartner, sprachen die Studierenden mit der MUL-CT Delegation und stellten zahlreiche Fragen zu verschiedenen Themen wie deutsche Pflegestandards, Erwartungen von Arbeitgebern sowie die Veränderungen des täglichen Lebens nach einem Umzug ins Ausland.
Im Anschluss folgte ein Rundgang durch das College-Trainingskrankenhaus, in dem die Studierenden praktische Szenarien aus ihrem Curriculum demonstrierten. Für das MUL‑CT‑Team wurde dabei deutlich, wie eng die indonesische Pflegeausbildung an europäischen Berufsstandards orientiert ist.
Eine anschließende Session mit unserer HCA bot zusätzliche Einblicke in die sprachliche Vorbereitung. Neben Wortschatz und Grammatik übten die Studierenden Rollenspiele und typische Alltagssituationen aus dem Arbeitsumfeld, um die Pflegefachkräfte bestmöglich auf die Kommunikation in deutschen Krankenhäusern vorzubereiten.
Der Besuch im Prof. Dr. IGNG Ngoerah General Hospital brachte eine weitere wertvolle Perspektive mit sich. Neben modern ausgestatteten klinischen Abteilungen wie Notfallmedizin, Orthopädie, Physiotherapie, pädiatrischer Intensivmedizin und allgemeinen Patientenstationen erhielt die Delegation auch Einblicke in ergänzende und ganzheitliche Ansätze, die in die Patientenversorgung eingebunden sind. Dies bot eine interessante Sicht darauf, wie andere Gesundheitssysteme moderne Medizin mit zusätzlichen therapeutischen Praktiken verbinden.
Anwerbung: ein wechselseitiger Prozess
In beiden Ländern folgten die Interviews einer klaren Linie: zuhören, verstehen, bewerten.
Für die Vertreterinnen der MUL‑CT war es entscheidend, die Kandidat*innen persönlich sowie ihre Hintergründe, ihre Ziele und ihre alltäglichen Lebensrealitäten kennenzulernen. Anwerbung endet nicht mit der Vertragsunterzeichnung. Sie setzt sich fort während des Spracherwerbs, des Umzugs, der beruflichen Eingewöhnung und letztlich bis hin zu dem Moment, in dem eine Pflegefachkraft vollständig in ihrem neuen Lebens- und Arbeitsumfeld angekommen ist.
Das Engagement der Pflegefachkräfte in Bezug auf Vorbereitung, aktives Vorantreiben der beruflichen Entwicklung sowie die Übernahme der Verantwortung für den eigenen Weg war eine der eindrucksvollsten Erkenntnisse der gesamten Reise.
Der Blick in die Zukunft
Diese Reise hat wieder gezeigt, dass ethische internationale Anwerbung nur funktioniert, wenn transparente Zusammenarbeit, gute Vorbereitung und insbesondere der Mensch im Zentrum stehen.
Unser herzlicher Dank geht an die Delegation der Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Frau K. Pischon, Frau J. Bayer, an unsere lokalen Teams in Mumbai, Kochi und Bali, an unsere Partnerinstitutionen und insbesondere an die Pflegefachkräften, die ihre Erfahrungen mit so viel Offenheit geteilt haben.
Während wir internationale Pflegekräfte unterstützen in Deutschland arbeiten und wachsen zu können, bleibt unser Fokus unverändert: Menschen miteinander zu verbinden, Erwartungen abzugleichen und langfristigen Erfolg zu ermöglichen.